U wie Unterrock
Der Unterrock, der klassischen Damenunterwäsche zugeordnet, erfüllt zwei Aufgaben. Zum Einen hält er durch die entstehenden Luftschichten zwischen Körper, Unterrock (bzw. mehreren Unterröcken) und dem eigentlichen Rock angenehm warm. Außerdem vermittelt er der Trägerin ein angenehmeres Tragegefühl, da der Überrock auf dem meist aus glatten Fasern gearbeitetem Unterrock gut gleiten kann und es so nicht zu unangenehmen Kneif-und Knitter Effekten kommen kann.
Getragen wurden Unterröcke bereits im 16. Jahrhundert, richtig die Modewelt bestimmten sie aber erst Anfang der 18. Jahrhunderts. So wurde zum Beispiel um 1750 in Frankreich sogar ein Tanz, der "Cotillon" (damals auch Begriff für den Unterrock), nach ihm benannt, bei dem die Unterröcke der Tänzerinnen teilweise sichtbar waren (Vorläufer des Walzers).
In gehobenen Kreisen wurde dieser Teil der Unterwäsche bald zu einen Statussymbol erhoben. Die Dame von Welt trug stellenweise mehr als zehn Unterröcke übereinander, wobei selbige aus edler Seide gefertigt waren und stellenweise mit Spitze oder Rüschen verziert. Die Stilisierung zur modischen Besonderheit führte so weit, dass man den einzelnen Schichten spezielle Namen gab. So wurde der unterste Rock, und damit dem Körper am nächsten, zum Beispiel "la secrète" genannt, also übersetzt "die Geheime". Vielleicht galt dieser unterste Rock zu dieser Zeit ja schon als Reizwäsche wenn die Angebetete nur diesen trug?
Wie bereits erwähnt kam als glatter Stoff oft Seide zur Anwendung. Aber auch gekämmte Baumwolle wurde verwendet. Zu Zeiten der wachsenden Industrialisierung kam dann kostengünstigere Kunstseide zum Einsatz, gefolgt von den synthetischen Fasern wie Nylon und Polyester, letzteres in Form von Satin. In der ehemaligen DDR kam natürlich das Pendant zum Perlon, nämlich das ostdeutsche Produkt Dederon zum Einsatz. Spezielle Futterstoffe wie Charmeuse oder Acetat wurden entwickelt und kamen bei diverser Alltagsbekleidung zur Anwendung.
Die meisten Damenröcke sind heutzutage bereits mit einem glatten eingearbeiteten Futter versehen, so dass ein extra Unterrock in den meisten Fällen überflüssig ist. Darauf zurück zu führen ist auch die gesunkene Angebotsvielfalt im Handel.
Kaum eine Jugendliche kennt heute noch einen Unterrock oder hat selbigen im Kleiderschrank. Meist wird dieses Kleidungsstück nur noch von älteren Damen getragen und ist daher bei Teens auch als "Oma-Wäsche" verschrien.
Beliebt sind die Teile noch bei Nostalgikern oder Rockabillys, welche auf Ihren Treffen authentisch rüber kommen wollen und daher oft Unterrock oder Petticoats mit Straps und Nahtnylons tragen.
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