Die Geschichte der Nahtstrümpfe aus Nylon
Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts trugen Damen Strümpfe aus reiner Seide. Jedoch war die Herstellung und das verwendete Material Seide sehr kostspielig, sodass sich nur wenige Damen diesen Luxus leisten konnten. Diese Damenstrümpfe aus echter Seide zählen auch heute noch zu den Luxus-Artikeln.
Die Qualität der etwa ab 1912 in England produzierten Damenstrümpfe aus Kunstseide hingegen konnte die Damenwelt nicht überzeugen. Bei der verwendeten Kunstseide handelte es sich nicht um ein vollsynthetisches Material. Natürliche Zellulose wurde durch molekulare Behandlung zum Rohstoff für die Kunstseide umgewandelt.
Den Strümpfen aus Kunstseide fehlte es jedoch an der richtigen Passform, die Garnfeinheit sowie die damit verbundene Transparenz ließ zu wünschen übrig und der starke Glanz des Materials sagte den Damen nicht zu. Darüber hinaus waren die Kunstseidenstrümpfe anfällig für Wasserflecken. Es waren also weitere Forschungsarbeiten notwendig.
Erst im Jahre 1937 gelang dem für die Firma Du Pont tätigen Chemiker W.H. Carothers der Durchbruch auf dem Bereich der Chemiefaserstoffe. Nach zehnjähriger Forschung konnte er der Welt die erste vollsynthetischen Chemiefasern präsentieren: Nylon. Noch heute ist Nylon der Grundbestandteil der anmutig glänzenden Damenstrümpfe.
Nur ein Jahr später entwickelte P.Schlack für das deutsche Unternehmen I.G. Farben einen fast identischen Faserstoff mit dem Namen Perlon. Deutsche Perlonstrümpfe und Perlon-Dessous wie Strumpfhalter und Mieder waren insbesondere in den 60er Jahren sehr erfolgreich.
Der Durchbruch der Nylonstrümpfe
"Ein besserer Faden für ein besseres Leben" - mit diesem Werbeslogan feierte die Firma Du Pont 1938 die Errungenschaft dieses neuen Nylongarns. Ein Jahr später ging in den USA die erste industrielle Produktionsstätte für die begehrten transparenten Nahtstrümpfe an den Start (die Herstellung von Nylonstrümpfen ohne Naht war damals noch nicht möglich und begann erst nach Entwicklung der Rundstrickmaschinen). Ein Testverkauf von 4000 Nylon-Nahtstrümpfen fand bei den Frauen reißenden Absatz. Dieser Erfolg gab dem Unternehmen marketingstrategisch Recht, sodass im Jahr 1940 die offizielle Markteinführung der Nylonstrümpfe erfolgte.
Vorab kündigte eine groß inszenierte Marketingkampagne den amerikanischen Verkaufsstart am 15.05.1940 an. Für die Markteinführung wurden zwei Millionen Exemplare der Nylonstrümpfe vorproduziert. Ein Paar dieser Nylonstrümpfe kosteten etwa 250 USD, was in damaligen Zeiten ein halbes Vermögen darstellte. Doch diese zwei Millionen Nahtnylons waren innerhalb von nur vier Tagen ausverkauft.
Bis zum Kriegseintritt feierten die Nahtnylons in den USA ihren Triumph und verbreitete sich flächendeckend. Durch die maschinelle Herstellung wurden sie nun auch für die Allgemeinheit halbwegs erschwinglich. Jede Frau wollte sie haben. So einige Damen imitierten die raren "seamed Nylon-Stockings" indem sie sich mit einem Stift einfach die Naht auf die Beine zeichneten. Was für ein ungeahnter Strumpf-Boom! Es gibt kaum sogenannte PinUp-Bilder aus dieser Zeit, welche nicht eine Schönheit in Nahtnylons und Strumpfhalter zeigt. Während der Kriegszeit wurden jedoch die Nylongarne für Militärzwecke benötigt. Statt der Strümpfe wurden nun daraus Zelte, Seile und Fallschirme für die Armee hergestellt.
Doch diese Produktionsunterbrechung hat dem Image des Nylonstrumpfes keinen Schaden zugefügt. Nach Ende des Krieges währte der Erfolg der Strümpfe unentwegt fort. Besonders im vom Krieg gebeutelten Deutschland, wo es bis dato so etwas kaum gab, blühte der Handel mit den feinen Damenstrümpfen. Die dort stationierten GIs führten sie in Massen ein und begeisterten damit so einige Damen.
Modefaktor Damenstrumpf
Bis zum 1. Weltkrieg trug die Damenwelt lange Strümpfe aus Baumwolle mit allerlei Mustern und Verzierungen. In Zeiten des Wiederaufbaus wurden die Nylons transparenter, feiner und schlichter. Nach den Kriegszeiten wuchs das Selbstbewusstsein der Damen und die Rocklängen verminderten sich immer mehr. Zum Vorschein kamen durch transparente Nylons endlos lange Damenbeine.
Heute ist die Strumpfmode so breit gefächert, dass eigentlich nichts unmöglich ist. Hat sich in der Geschäftswelt eher der transparente Feinstrumpf durchgesetzt, so ist im Freizeitbereich alles erlaubt was gefällt, vom grobmaschigen Netzstrumpf über blickdichte Halterlose bis hin zum luxuriösen Seidenstrumpf.