Nylons gestern und heute

nylonstrumpf Seit über 70 Jahren ist die synthetische Nylonfaser Hauptbestandteil bei der Strumpfherstellung. Doch die Meinungen und Emotionen gehen bei der Bewertung dieses Materials ziemlich auseinander. Was "Mann" sexy findet ist für "Frau" oft zum verzweifeln. Aber wem hat der Dame von Welt diese neumodische Errungenschaft, diese Nylons zu verdanken?
Die allgemeine Strumpfgeschichte begann bereits im 16. Jahrhundert mit der Entwicklung der Wirkmaschine, die damals schon elastischere Stoffe herstellen konnte. Eine der ersten Strumpf-Trägerinnen soll übrigens Elisabeth I. gewesen sein. Geraume Zeit später, im 17. Jahrhundert folgten die Seidenstrümpfe, welche allerdings nur von Männern zum knielangen Leibrock oder engen Kniehosen getragen wurden. (Wobei sie wohl nicht als Damenwäscheträger gegolten haben durften) Nur ein Jahrhundert später wandte sich die erste Strumpfhose aus Nylon allerdings wieder ausschließlich der Damenwelt zu. Das war die Revolution in der Strumpfgeschichte, die mit der Geburtsstunde der Nylons 1935 ihren Anfang nahm.
Der Ursprung dieser neuen Errungenschaft war - wie kann es anders sein - in Amerika. Der Erfinder dieses edlen Materials hieß Doktor Wallace Hume Carothers, welcher seinerzeit in der Forschungsabteilung des Du Pont Konzerns arbeitete. Dieser hervorragende Wissenschaftler schaffte es, aus Kohlenstoff, Wasser und Luft diesen Grundstoff für die hauchzarten Nylons herzustellen. Obwohl Nylonstrümpfe als Produkt damals noch gar nicht angedacht waren. Eher Haushaltsgeräte und auch die Rüstungsindustrie standen im Fokus.

Nylonstrümpfe als Teil der Unterwäsche

nylonstrumpf-strapse Die Attraktivität des neuen Verkaufsschlagers "seamed Nylon Stockings" zeigte sich im explodierenden Absatz. Der Nylonstrumpf ist immer noch ein Klassiker, den es bis zur Mitte der 50ger Jahre ausschließlich mit Naht gab. Die Naht an den sogenannten Nahtnylons war durch die Art der Fertigung bedingt. Damals gab es nämlich noch keine Rundstrickautomaten sondern nur Flachstrickmaschinen. Also wurde der Nylonstrumpf quasi auf Passform gestrickt und dann mit einer Naht vernäht. Die Naht ging vom oberen Dehnungsloch im Strumpfrand hinab zu der Ferse, welche im laufe der Zeit verschiedene Formen bekam. Heute noch erhältliche Nahtstrümpfe weisen meistens eine kubische (cuban heel - eckige) oder spitze (point heel) Fersenform auf.
Nylonstrümpfe wirken auf viele Menschen einen sexuellen Reiz aus und sind aus diesem Grund auch ein beliebter Fetisch bei Nylonfetischisten oder beim Strumpfhosenfetisch.
Seit über 70 Jahren gehören Nylonstrümpfe nun zum markanten Bestandteil von Damenwäsche und Dessous. Getragen werden Nylons natürlich immer mit Strumpfhalter, der sich an einem Mieder, Hüfthalter oder auch Korsett befindet. Heute ganz vereinfacht Strapse genannt.
Die Garnstärke reduzierte sich mit der Weiterentwicklung des Materials und der Maschinen von 70 DEN auf heute bis zu 5 DEN. Ein zarter Hauch - sexy aber auch empfindlich diese Nylons.
Nylonstrümpfe oder Strumpfhosen mit einer Garnstärke von unter 15 DEN werden heutzutage als Sheers, bzw. mit Glanzeffekt als Satin-Sheers bezeichnet. Auch das modische Design hat sich erheblich verändert und reicht von diversen Farben und Mustern bis hin zum Naht- oder Netzstrumpf.
Trotz allem verlor in den 80ger und 90ger Jahren der Nylonstrumpf allmählich seine Beliebtheit und war nur noch bei klassischer Kleidung relevant.
Doch wir wissen - nirgendwo vollzieht sich ein Wandel so schnell wie in der Modebranche. Seitdem große Marken wie Gerbe, Burlington und Wolford die "Strumpfwelt" mit ihren neuesten Kreationen erobert haben, sind die Nylons wieder "in". Große Strumpfwarenhersteller haben den Markt erkannt und hegen und pflegen ihre alten Flachstrickmaschinen, wenn sie dann noch im Besitz eines solchen mechanischen Wunderwerkes sind.
Das heutige Repertoire bei der Designentwicklung erstreckt sich vom klassischen Nylon in verschiedenen Farben und Mustern über Netzstrümpfe bis hin zu Blumenmustern und Tatoo-Kreationen.
Daraus ergibt sich ein eindeutiges Resümee: Auch wenn sich die moderne Frau von heute oft ohne Nylons modisch kleidet, so ist das klassische "Nylonbeinkleid" ein fester Bestandteil eleganter, graziler Mode und wird von vielen gern und zu den verschiedensten Anlässen getragen.

Mehr Wissenswertes zum Thema Damenunterwäsche und Dessous finden Sie auch in unserem Dessous-Lexikon.